Jung-Hun Kim

Jung-Hun Kim

Im Gespräch
Position
Team Manager (Dpt. Litigation)
Bei FROMMER LEGAL seit
Juli 2013
Studium I Abschluss
Volljurist

Jung-Hun Kim

Im Gespräch
Jung-Hun Kim
Position
Team Manager (Dpt. Litigation)
Bei FROMMER LEGAL seit
Juli 2013
Studium I Abschluss
Volljurist

Lieber Jung-Hun, in einer Welt, in der sich eigentlich niemand mehr festlegen möchte, hast Du es dennoch getan. Seit 2013 bist Du schon Rechtsanwalt in unserer Kanzlei – ein Commitment, würde ich sagen, oder?

Das darf man gerne so nennen. Ich persönlich finde aber den Begriff „Commitment“ immer ein wenig negativ konnotiert. Ich würde daher lieber sagen: Warum gehen, wenn es einem gut geht? Die Arbeit macht Spaß und die Kollegen sind toll. FROMMER LEGAL war mein erster Vollzeitjob nach dem Referendariat und seitdem ich hier bin, konnte ich bereits an vielen interessanten Projekten arbeiten. Meine persönliche als auch berufliche Entwicklung ist dabei nie auf der Strecke geblieben. Ich habe zwar keine anderen Erfahrungswerte, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich auch woanders so schnell Laufen gelernt hätte. Außerdem ist es auch mal ganz gut, in einer schnelllebigen Zeit, in der Begriffe wie Loyalität ein wenig an Bedeutung zu verlieren scheinen, einen gewissen Gegenpol zu bilden.

Was reizt Dich an Litigation so besonders?

Litigation – also das Führen von Prozessen vor Gericht – war für mich eigentlich schon immer der Grund, warum ich Rechtsanwalt werden wollte. Für mich ist es auch die facettenreichste Tätigkeit, die man als Jurist ausüben kann. Und was ich dabei am schönsten finde: Du hast es selbst in der Hand, den Begriff „Litigation“ ein Stück weit mit Leben zu füllen. Natürlich kann man es sich einfach machen und sagen: Ich schreibe jetzt mal schnell einen Schriftsatz, schaue was das Gericht daraus macht und entweder habe ich – oder besser: meine Mandantin – Glück oder Pech. Man kann die ganze Sache aber auch „spielerisch“ angehen. Schau mal, viele Nichtjuristen denken häufig, Gesetz ist gleich Gesetz – man muss es nur auswendig lernen und richtig anwenden. So einfach ist es aber nicht. Jura ist keine Mathematik und Recht ist nicht gleich Recht. Vor allem im Bereich der Litigation gibt es immer eine unbekannte und nicht ganz unbedeutende Konstante: Die Richterin bzw. der Richter. Was heute mal war, kann morgen schon ganz anders ausschauen. Richter können durchaus auch mal nach Laune entscheiden und dich ordentlich auflaufen lassen. Da spielt es dann am Ende keine Rolle mehr, was im Gesetz steht oder der BGH mal entschieden hat. Man nennt das im Juristendeutsch die „richterliche Freiheit“. Das macht es auf der einen Seite zwar nicht einfacher, dafür aber umso spannender. Richterinnen und Richter sind auch nur Menschen, und – unter anderem – hierauf aufbauend kann man analysieren, prognostizieren und eine bestimmte Strategie entwickeln. Der Begriff „Prozess“ kommt ja nicht von ungefähr. Im Laufe so eines Gerichtsverfahrens gibt es ständig neue Entwicklungen und du als Anwalt kannst häufig auf diese Entwicklung entscheidend Einfluss nehmen. So konnten wir in vielen Verfahren auch beim BGH, BVerfG und EuGH die Rechtsprechung entscheidend mitprägen – meistens im Sinne unserer Mandantinnen und Mandanten.

Du bist ja mittlerweile nicht mehr nur Rechtsanwalt in der Abteilung Litigation, sondern auch deren Team Manager. Was kann ich mir darunter genau vorstellen?

Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Versuchen wir es mal so: Im englischen Profifußball werden die Trainer auch als „Team Manager“ bezeichnet. Ich denke, der Vergleich trifft es irgendwie ganz gut. Auf der einen Seite verfolgst du eine gewisse „Spielstrategie“ bzw. „Spielphilosophie“. Auf der anderen Seite hast du ein Potpourri an verschiedenen Charakteren mit unterschiedlichen Entwicklungsstufen und Stärken. Und diese beiden Elemente versuchst du nun, bestmöglich miteinander zu vereinen. Dabei versuchst du, Stärken weiter auszubauen und Schwächen entsprechend abzubauen. Im Idealfall findet so jeder seine Position im Gesamtgefüge, so dass man am Ende eine schlagkräftige Truppe hat, die du nicht mehr von der Tabellenspitze verdrängen kannst. Natürlich lassen sich dabei auch unpopuläre Entscheidungen nicht vermeiden und ja, persönliche Befindlichkeiten spielen immer eine gewisse Rolle. Mit elf Stürmern lässt sich aber nun mal selten ein Spiel gewinnen und auch ein Schönspieler muss mal die Grätsche auspacken, wenn es der Sache dient. Daher ist es wichtig, den Fokus immer wieder auf das gemeinsame Ziel zu richten.

Das hört sich nach einer Menge Arbeit und Verantwortung an. Bleiben da noch Kapazitäten für die Fallbearbeitung?

Jein. Aufgrund der derzeitigen Aufgaben kann ich eigene Verfahren natürlich nicht mehr in der Anzahl betreuen, wie es mal der Fall gewesen ist. Aber abgesehen davon: Kapazitäten sind ja nicht einfach da, sondern man muss sie sich schaffen. Und das geht umso einfacher, je mehr Freude man an etwas hat.

„Freude an der Arbeit“ hört man eher selten.

Ich sag mal so: Wer wie ich im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, für den ist Freude ein sehr dehnbarer Begriff ;-) Aber im Ernst, Arbeit ist Arbeit, da müssen wir nicht um den heißen Brei herumreden. Dennoch es ist schon sehr befreiend, morgens aufzuwachen und sich nicht zu denken „Mist…“. Das war zu meiner Schul- und Studienzeit auch mal anders. Da musste ich mich nicht allzu selten aus dem Bett quälen – oder ich bin einfach liegen geblieben. Insbesondere das Studium war und ist leider sehr praxisfern, theoretisch und nicht sonderlich zeitgemäß, was meine Motivation nicht unbedingt gefördert hat. Umso schöner ist es nun zu wissen, dass sich das Durchhalten gelohnt hat. In unserer Kanzlei arbeite ich nicht nur mit Arbeitskollegen, sondern mit Freunden. Dieser Wohlfühlfaktor ist nicht zu unterschätzen. Und auch im Übrigen ist die Kanzlei nicht das, was man sich allgemein im Volksmund unter einer „klassischen Anwaltskanzlei“ so vorstellt. Das mag nicht jedem zusagen, für mich ist das aber definitiv ein weiterer Pluspunkt.

So ging und geht es sicherlich den meisten Jura-Studenten, hörte ich zumindest ;-) Du sagst, FROMMER LEGAL sei eher eine untypische Kanzlei. Was meinst du damit genau?

Es fängt schon bei der Struktur an. Die Hierarchien sind traditionell flach und der Umgang untereinander darf auch ruhig mal ein bisschen flapsiger sein. Ein Sekretariat haben wir hier auch nicht, damit uns jemand einen Tee kocht. Unsere Rechtsanwaltsfachangestellten haben eigenständige Aufgabengebiete und verfügen über ihre eigene Expertise. Wer Tee trinken will, muss das Wasser also selbst aufsetzen. Auch Chi-Chi und Bling-Bling findet man bei uns eher selten. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich möchte nicht sagen, dass es in allen anderen Kanzleien anders ist. Es ist aber schon so, dass viele Anwaltskanzleien ein eher „traditionelles Berufsbild“ verfolgen. Diesem Bild versuchen wir uns ein Stück weit auch aktiv zu entziehen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass man nicht jeden Tag nur mit Jura beschäftigt ist. Entwicklung technischer Hilfsmittel, die Konzeption operativer Abläufe etc. sind thematisch ebenfalls feste Bestandteile unseres Arbeitsalltags, mit denen man sich auseinandersetzen kann. Das Stichwort „Legal Tech“ ist ja mittlerweile in aller Munde. Dieser Bereich steckt zwar in der deutschen Kanzleilandschaft vielfach noch in den Kinderschuhen, gewinnt aber mehr und mehr an Bedeutung. Hier konnten wir uns aufgrund der jahrelangen Befassung mit dem Thema einen guten Vorsprung erarbeiten.

Mit Deinem heutigen Wissen, welchen Ratschlag oder welche Erkenntnis würdest Du also einem strauchelnden Studenten an die Hand geben?

Eigentlich nur einen: Macht Euch locker und lasst auch mal Fünfe gerade sein! Ja, das Examen ist hart, keine Frage. Aber wer vor lauter Paukerei vergisst, nebenbei auch sein Leben zu leben, der wird mit dem Studium nicht glücklich. Und bewahrt Euch die Lockerheit bitte auch für das spätere Berufsleben. Das Juristentum hätte es in jedem Falle nötig. Sicherlich kommt es zwischendurch auch vor, dass man denkt: „Hätte ich lieber was anderes gemacht…“. Doch damals wie heute erinnere ich mich gerne an eine Weisheit aus dem Ruhrpott zurück, die mich wieder auf den Boden zurückholt.

Wie lautet diese Weisheit?

Woanders is‘ auch k… (also nicht besser) ;-)

Danke, lieber Jung-Hun, für Deine erfrischend ehrlichen Worte! Bis bald!

 

 

Dieses Interview wurde geführt von:
Natalia Künstle

Genug
gelesen?

Careers-Home

FROMMER LEGAL
Beethovenstr. 12

+49 89 520 572 0

LinkedIn Xing
Kununu Open Company Kununu Top Company